Landespolitik

Ministerin Feller reist in die Partnerregion Hauts-de-France

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NRW-Schulministerin besucht Frankreich: Kooperationsvertrag, Demokratie und Erinnerungskultur im Fokus

NRW-Schulministerin Dorothee Feller reist in die französische Partnerregion Hauts-de-France, um die Kooperationsvereinbarung zwischen dem Schulministerium und der akademischen Region zu verlängern. Im Mittelpunkt stehen Gespräche mit deutschen und französischen Schülerinnen und Schülern über Demokratie, Erinnerungskultur und die Zukunft Europas. Der Besuch setzt ein sichtbares Zeichen für die gelebte deutsch-französische Freundschaft auf Schulebene.

  • Verlängerung der Kooperationsvereinbarung zwischen dem NRW-Schulministerium und der akademischen Region Hauts-de-France
  • Austausch mit Schülerinnen und Schülern aus beiden Ländern über Demokratie und Erinnerungskultur
  • Hauts-de-France ist eine der geschichtsträchtigsten Regionen Europas – Schauplatz zweier Weltkriege
  • Partnerschaft soll Schüleraustausch und gemeinsame Bildungsprojekte langfristig stärken
  • Besuch unterstreicht NRWs Rolle als engagierter Akteur in der europäischen Schulpolitik

Eine Reise mit Symbolkraft: Feller stärkt das Band nach Frankreich

Wenn Schulministerin Dorothee Feller dieser Tage die Grenze nach Frankreich überquert, trägt sie mehr als einen Terminkalender im Gepäck. Der Besuch in Hauts-de-France ist ein politisches Signal: Nordrhein-Westfalen bekennt sich zur europäischen Verständigung – und das nicht nur in Sonntagsreden, sondern in konkreten Vereinbarungen, die Schülerinnen und Schüler beiderseits des Rheins zusammenbringen. Im Zentrum des Besuchs steht die Verlängerung der Kooperationsvereinbarung zwischen dem NRW-Schulministerium und der akademischen Region Hauts-de-France. Diese Partnerschaft bildet den institutionellen Rahmen für Austauschprogramme, gemeinsame Bildungsprojekte und den direkten Kontakt zwischen jungen Menschen aus beiden Ländern.

Demokratie lernen, wo Geschichte sichtbar ist

Hauts-de-France ist keine beliebige Partnerregion. Die Landschaft im Norden Frankreichs trägt die Narben zweier Weltkriege: Schlachtfelder, Gedenkstätten und Friedhöfe prägen das Bild einer Region, die wie kaum eine andere in Europa für die Kosten nationalistischer Politik steht. Genau hier wollen deutsche und französische Schülerinnen und Schüler miteinander ins Gespräch kommen – über Demokratie, Erinnerungskultur und die Frage, wie Europa zusammenwächst und zusammenbleibt. Ministerin Feller wird diesen Austausch persönlich begleiten. Dass eine Schulministerin solche Begegnungen nicht delegiert, sondern selbst moderiert, ist keine Selbstverständlichkeit – und verdient Beachtung.

Einordnung

Die Partnerschaft zwischen NRW und Hauts-de-France ist Teil eines breiter angelegten Netzwerks deutsch-französischer Schulkooperationen, das auf den Élysée-Vertrag von 1963 zurückgeht. Nordrhein-Westfalen pflegt als bevölkerungsreichstes deutsches Bundesland traditionell enge Beziehungen zu französischen Regionen. Hauts-de-France entstand 2016 aus der Fusion der früheren Regionen Nord-Pas-de-Calais und Picardie und ist mit rund sechs Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern eine der größten Regionen Frankreichs. Bildungspartnerschaften auf regionaler Ebene gelten in der Europapolitik als besonders nachhaltig, weil sie jenseits nationaler Diplomatie direkte menschliche Verbindungen schaffen. Ob die Verlängerung der Vereinbarung inhaltlich neu ausgerichtet oder lediglich fortgeschrieben wird, ließ das Ministerium zunächst offen.

Mehr als ein Fototermin: Was die Kooperation leisten soll

Schulpartnerschaften zwischen deutschen Bundesländern und französischen Regionen haben in der Vergangenheit oft unter einem strukturellen Problem gelitten: Sie werden groß angekündigt, im Alltag aber wenig mit Leben gefüllt. Lehrerinnen und Lehrer berichten regelmäßig von bürokratischen Hürden bei Austauschprogrammen, von fehlender Anschlussfinanzierung und von der schwindenden Bereitschaft von Eltern, ihre Kinder für längere Zeit ins Ausland zu schicken. Es wäre daher zu kurz gegriffen, die Reise von Ministerin Feller allein als symbolischen Akt zu bewerten. Entscheidend wird sein, welche konkreten Maßnahmen die verlängerte Kooperationsvereinbarung vorsieht: Werden neue Austauschformate entwickelt? Gibt es zusätzliche Mittel für Schulen, die Kontakte nach Hauts-de-France knüpfen wollen? Und wie sieht die Einbindung berufsbildender Schulen aus, die im Austauschgeschäft traditionell weniger sichtbar sind als Gymnasien? Das NRW-Schulministerium hat sich bislang nicht zu diesen Fragen geäußert. Klar ist: Der politische Wille ist sichtbar. Die Umsetzung wird zeigen, ob dieser Besuch ein Aufbruch ist – oder ein gut gemeinter Moment, der im Alltag wieder versickert.

Europas Zukunft beginnt im Klassenzimmer

Die Botschaft, die Ministerin Feller in die nordfranzösische Region trägt, ist im Kern eine europapolitische: Demokratie und europäische Einigung sind keine abstrakten Werte, sondern etwas, das gelernt, erlebt und täglich neu verhandelt werden muss. Gerade in einer Zeit, in der rechtspopulistische Bewegungen in mehreren EU-Ländern auf dem Vormarsch sind, gewinnen solche Begegnungen zwischen jungen Menschen an Gewicht. Schülerinnen und Schüler, die gemeinsam über Gedenkstätten in Hauts-de-France gehen, werden die europäische Idee anders verstehen als jene, die nur Lehrbücher kennen. Ob NRW diese Erkenntnis auch in ausreichend Ressourcen für Schulen übersetzt, bleibt eine offene Frage – die Ministerin nach ihrer Rückkehr zu beantworten haben wird.