NRW startet Pilotphase für digitale Unternehmensgründungen
Mit dem Projekt Schneller Gründen will NRW Firmengründungen vollständig digital und bürokratieärmer machen.
Nordrhein-Westfalen gehört zu den ersten Bundesländern, die aktiv an der bundesweiten Pilotphase des Projekts »Schneller Gründen« teilnehmen. Gemeinsam mit dem Bund soll die Unternehmensgründung künftig vollständig digital, schneller und deutlich weniger bürokratisch ablaufen. Das Land positioniert sich damit als Vorreiter bei der Modernisierung des deutschen Gründungsrechts.
- NRW ist eines der ersten Bundesländer in der Pilotphase des Projekts »Schneller Gründen«
- Ziel: Unternehmensgründungen vollständig digital, schneller und einfacher gestalten
- Gemeinsames Vorhaben von Bund und Ländern zur Verwaltungsmodernisierung
- Bürokratische Hürden für Gründerinnen und Gründer sollen deutlich abgebaut werden
- NRW sieht sich als attraktiven Wirtschaftsstandort und will diesen Ruf mit digitalen Angeboten stärken
Was sich ändern soll – und wer davon profitiert
Wer in Deutschland ein Unternehmen gründen will, kennt das Problem: Notartermine, Behördengänge, Papierstapel, Wartezeiten. Wochenlang kann es dauern, bis eine GmbH im Handelsregister eingetragen ist, bis Gewerbeanmeldung, Finanzamt und Berufsgenossenschaft informiert sind. Nordrhein-Westfalen will das nun grundlegend ändern. Als eines der ersten Bundesländer beteiligt sich NRW aktiv an der Pilotphase des Projekts »Schneller Gründen« – einem gemeinsamen Vorhaben von Bund und Ländern, das Unternehmensgründungen vollständig digitalisieren soll. Davon profitieren sollen vor allem junge Unternehmerinnen und Unternehmer, Start-ups, aber auch Handwerksbetriebe und kleine Dienstleister, die bislang an bürokratischen Hürden scheitern oder schlicht zu viel Zeit in Behördenprozesse investieren müssen.
Wie das Projekt funktionieren soll – und was in der Pilotphase erprobt wird
Die Idee hinter »Schneller Gründen« ist so simpel wie ambitioniert: Alle notwendigen Schritte einer Unternehmensgründung – von der Wahl der Rechtsform über den Notartermin bis hin zur Eintragung ins Handelsregister und der Gewerbeanmeldung – sollen über eine einheitliche digitale Plattform abgewickelt werden können. Medienbrüche, also der lästige Wechsel zwischen digitalen Formularen und ausgedruckten Papierdokumenten, sollen der Vergangenheit angehören. In der Pilotphase erprobt NRW gemeinsam mit Partnern aus Verwaltung, Notariat und Wirtschaft, welche Prozesse sich in der Praxis tatsächlich vollständig digitalisieren lassen und wo es noch technische oder rechtliche Anpassungen braucht. Dabei geht es nicht nur um Benutzerfreundlichkeit, sondern auch um Rechtssicherheit: Digitale Identitäten müssen zweifelsfrei verifiziert, Vertragsunterlagen rechtskonform signiert werden können.
Einordnung
Deutschland gilt im europäischen Vergleich als Schlusslicht bei der Digitalisierung von Verwaltungsleistungen. Während in Ländern wie Estland oder Dänemark Unternehmensgründungen bereits seit Jahren vollständig online möglich sind, hängt die Bundesrepublik hinterher. Das Onlinezugangsgesetz (OZG) sollte eigentlich bis Ende 2022 Hunderte Verwaltungsleistungen digital zugänglich machen – die Umsetzung stockte jedoch vielerorts erheblich. »Schneller Gründen« ist ein neuer Anlauf, bei dem Bund und Länder enger kooperieren. Dass NRW als bevölkerungsreichstes Bundesland früh in die Pilotphase einsteigt, gibt dem Projekt politisches Gewicht und praktische Reichweite: Allein in NRW werden jährlich Zehntausende Unternehmen gegründet.
NRW als Wirtschaftsstandort – Modernisierung als Wettbewerbsvorteil
Die Landesregierung unter Ministerpräsident Hendrik Wüst setzt seit einiger Zeit auf das Narrativ des modernen, wirtschaftsfreundlichen NRW. Die Beteiligung an »Schneller Gründen« fügt sich in diese Strategie ein: Ein Bundesland, das Gründerinnen und Gründern den Einstieg leicht macht, zieht Talente und Kapital an. Laut Landesregierung soll die Pilotphase konkrete Erkenntnisse liefern, welche digitalen Lösungen sich für den bundesweiten Rollout eignen. NRW übernimmt damit nicht nur eine Vorreiterrolle, sondern auch Verantwortung für die Weiterentwicklung eines nationalen Projekts. Wirtschaftsverbände hatten seit Jahren auf schnellere und digitalere Gründungsprozesse gedrängt. Ob das Projekt hält, was es verspricht, wird sich in den kommenden Monaten der Pilotphase zeigen. Die entscheidende Frage wird sein, ob die digitale Infrastruktur tatsächlich flächendeckend funktioniert – oder ob es erneut bei gut gemeinten Ankündigungen bleibt.