Wirtschaft & Arbeit

Quereinstieg Schiene: NRW bündelt Ausbildung im Nahverkehr

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Eine zentrale Organisation soll den Fachkräftemangel im Schienenverkehr bekämpfen – das Land macht Dampf.

Nordrhein-Westfalen bündelt die Ausbildung von Fachkräften im Schienenpersonalnahverkehr künftig bei einer zentralen Stelle: der VDV Academy & Training GmbH. Die Landesregierung reagiert damit auf den wachsenden Personalmangel im Regionalverkehr auf der Schiene und will mit einem strukturierten Quereinstiegsmodell gegensteuern.

  • Die VDV Academy & Training GmbH koordiniert ab sofort unternehmensübergreifend die Qualifizierung neuer Fachkräfte im Schienen-Nahverkehr in NRW.
  • Das Modell richtet sich gezielt an Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger aus anderen Berufsfeldern.
  • Ziel ist es, den wachsenden Bedarf an Triebfahrzeugführerinnen und Triebfahrzeugführern sowie weiterem Bahnpersonal langfristig zu sichern.
  • Die Bündelung soll Ausbildungsstandards vereinheitlichen und Synergien zwischen verschiedenen Nahverkehrsunternehmen in NRW schaffen.
  • Das Land NRW übernimmt dabei eine steuernde Rolle bei der Koordination und Förderung des Programms.

Weichenstellung für den Nahverkehr von morgen

Wer künftig einen Regionalzug durch das Ruhrgebiet oder das Münsterland steuern möchte, muss dafür nicht zwingend eine klassische Berufsbiografie in der Bahnbranche mitbringen. Das Land Nordrhein-Westfalen hat gemeinsam mit dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) ein Modell auf den Weg gebracht, das Fachkräfte aus anderen Berufsfeldern systematisch für den Schienenpersonalnahverkehr qualifiziert. Die VDV Academy & Training GmbH übernimmt ab sofort die Rolle einer zentralen Koordinierungsstelle – unternehmensübergreifend und landesweit.

Der Hintergrund ist ernst: Im Schienenpersonalnahverkehr fehlt es schon heute an gut ausgebildetem Personal, insbesondere an Triebfahrzeugführerinnen und Triebfahrzeugführern. Der demografische Wandel verschärft die Lage in den kommenden Jahren erheblich. Zahlreiche erfahrene Beschäftigte gehen in den Ruhestand, während der Nachwuchs auf dem klassischen Weg nicht in ausreichender Zahl nachkommt. Das Modell des strukturierten Quereinstiegs soll diese Lücke schließen.

Zentrale Koordinierung statt Flickenteppich

Bislang organisierten viele Nahverkehrsunternehmen in NRW ihre Personalgewinnung und -qualifizierung weitgehend eigenständig – mit unterschiedlichen Standards, verschiedenen Ausbildungsformaten und ohne übergreifende Abstimmung. Das führte nicht nur zu Ineffizienz, sondern auch dazu, dass potenzielle Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger kaum einen strukturierten Einstiegspunkt fanden.

Die VDV Academy & Training GmbH soll diesen Flickenteppich ablösen. Als zentrale Anlaufstelle bündelt sie Ausbildungsangebote, vereinheitlicht Qualifikationsstandards und ermöglicht es, Ressourcen zwischen den beteiligten Unternehmen zu teilen. Wer etwa als Busfahrerin oder Busfahrer, als Handwerkerin oder Handwerker oder in einem völlig anderen Berufsfeld gearbeitet hat, soll künftig einen klar strukturierten Weg in den Schienenbetrieb finden – mit definierten Ausbildungsphasen, transparenten Anforderungen und verlässlichen Ansprechpartnern.

Einordnung

Der Fachkräftemangel im öffentlichen Nahverkehr ist kein NRW-spezifisches Phänomen, sondern ein bundesweites Problem. Besonders im Schienenpersonalnahverkehr gelten Triebfahrzeugführerinnen und Triebfahrzeugführer als schwer zu gewinnen: Die Ausbildung ist anspruchsvoll und reguliert, der Beruf erfordert hohe Konzentration und Verantwortungsbewusstsein. Gleichzeitig bietet er sichere Arbeitsplätze und vergleichsweise gute Konditionen. NRW ist als bevölkerungsreichstes Bundesland mit einem dichten Schienennetz besonders auf funktionierende Nahverkehrsstrukturen angewiesen – Ausfälle und Verspätungen wegen fehlendem Personal treffen hier besonders viele Menschen täglich.

Ein Signal mit Symbolwert – und praktischer Relevanz

Die Initiative hat nicht nur praktische, sondern auch politische Bedeutung. Die Landesregierung sendet damit ein klares Signal: Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs auf der Schiene – ein erklärtes Ziel der Verkehrspolitik in NRW – lässt sich nicht allein durch Investitionen in Infrastruktur und Fahrzeuge erreichen. Ohne ausreichend qualifiziertes Personal fahren auch neue Züge nirgendwo hin.

Dass die Koordinierung beim VDV und seiner Ausbildungsgesellschaft liegt, ist naheliegend: Der Verband vertritt die Interessen der Verkehrsunternehmen und kennt die Bedarfe aus erster Hand. Die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit ist dabei ein entscheidender Faktor. Kleine und mittelgroße Nahverkehrsunternehmen, die keine eigenen großen Ausbildungsabteilungen unterhalten können, profitieren von einer gemeinsamen Infrastruktur, auf die sie zurückgreifen können.

Ob das Modell tatsächlich den erhofften Schub bei der Personalgewinnung bringt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Die Rahmenbedingungen stimmen: Ein strukturierter Quereinstiegsweg, eine zentrale Koordinierungsstelle und die politische Rückendeckung des Landes sind eine solide Grundlage. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, Menschen aus anderen Berufsfeldern auch tatsächlich für den Schienenbetrieb zu begeistern – und sie langfristig in der Branche zu halten.