Wirtschaft & Arbeit

KI-Förderung am Niederrhein: Land unterstützt Mittelstand mit SALAMI-Projekt

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Ministerin Gorißen übergibt Zuwendungsbescheid an Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort

Das Land Nordrhein-Westfalen fördert die Hochschule Rhein-Waal mit einem Zuwendungsbescheid für das Projekt SALAMI – eine skalierbare KI-Infrastruktur, die kleinen und mittleren Unternehmen am Niederrhein den Einstieg in die Welt der Künstlichen Intelligenz erleichtern soll. Ministerin Silke Gorißen übergab den Bescheid persönlich in Kamp-Lintfort. Das Vorhaben gilt als Baustein einer breiteren Digitalisierungsstrategie für den strukturschwächeren Westen des Landes.

  • Förderprojekt trägt den Namen SALAMI: Scalable Language Model Infrastructure
  • Zielgruppe sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU) am Niederrhein
  • Übergabe des Zuwendungsbescheids durch Ministerin Silke Gorißen in Kamp-Lintfort
  • Träger des Projekts ist die Hochschule Rhein-Waal
  • Einbettung in ein regionales Innovationssystem für KI im Mittelstand

Ein Bescheid, eine Botschaft: Das Land setzt auf KI jenseits der Metropolen

Es ist ein Name, der schmunzeln lässt – und trotzdem ernst gemeint ist: SALAMI steht für Scalable Language Model Infrastructure und beschreibt ein Förderprojekt, das der Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort dabei helfen soll, eine belastbare KI-Infrastruktur für den regionalen Mittelstand aufzubauen. Ministerin Silke Gorißen, zuständig für Heimat, Kommunales, Bauen und Digitalisierung, übergab den Zuwendungsbescheid des Landes Nordrhein-Westfalen persönlich an die Hochschule – ein Zeichen, das über das Symbolische hinausgeht. Denn der Niederrhein ist keine klassische Technologieregion, und genau deshalb soll SALAMI etwas verändern.
Das Projekt verfolgt einen klaren Ansatz: Nicht die großen Konzerne mit hauseigenen IT-Abteilungen stehen im Mittelpunkt, sondern die vielen mittelständischen Betriebe zwischen Kleve und Krefeld, die zwar von KI gehört haben, aber kaum Zugang zu praxistauglichen Anwendungen finden. Sprachmodelle – sogenannte Large Language Models – sollen über die Infrastruktur der Hochschule auch für kleinere Unternehmen nutzbar werden, ohne dass diese selbst in teure Serverkapazitäten oder Expertenstellen investieren müssen.

Was SALAMI konkret leisten soll – und wie die Hochschule Rhein-Waal zur Brücke wird

Die Hochschule Rhein-Waal übernimmt in diesem Modell eine Rolle, die über klassische Forschungsaufgaben hinausgeht: Sie fungiert als technologische Mittlerin zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Konkret soll am Campus Kamp-Lintfort eine skalierbare Recheninfrastruktur entstehen, über die regionale KMU KI-Anwendungen testen, erproben und schließlich in ihre Geschäftsprozesse integrieren können. Beratung, Workshops und direkte Kooperationen mit Unternehmen sind fester Bestandteil des Konzepts.
Das Akronym SALAMI täuscht dabei nicht über den technischen Anspruch hinweg: Sprachmodelle der neueren Generation sind rechenintensiv und erfordern eine Infrastruktur, die für viele Mittelständler allein nicht bezahlbar wäre. Die Hochschule schafft hier eine Art gemeinsame Werkzeugkiste – zugänglich, regional verankert und anwendungsnah. Der Ansatz erinnert an Modelle, die in anderen Bundesländern bereits erprobt werden, etwa im Rahmen von Mittelstand-Digital-Zentren, die vom Bundesministerium für Wirtschaft gefördert werden.

Einordnung

Der Niederrhein gehört zu den Regionen in NRW, die den Strukturwandel nach dem Ende des Kohlezeitalters noch spüren. Kamp-Lintfort, einst geprägt durch den Bergbau, hat sich in den vergangenen Jahren unter anderem durch die Hochschule Rhein-Waal und die Bundesgartenschau 2020 neu positioniert. Digitalisierungsförderung durch das Land folgt hier einer doppelten Logik: wirtschaftliche Modernisierung und regionale Aufwertung zugleich. Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass Förderprojekte dieser Art oft von der Nachhaltigkeit der Finanzierung abhängen – und dass nach Ablauf der Förderperiode häufig unklar bleibt, wer die Infrastruktur dauerhaft betreibt und finanziert.

Gorißens Kurs: Digitalisierung als Standortpolitik

Ministerin Gorißen hat Digitalisierung in ihrer Amtszeit konsequent als Standortthema gerahmt. Laut Ministerium soll SALAMI modellhaft zeigen, wie Hochschulen als regionale Innovationsanker fungieren können – eine Argumentation, die auch in der Förderpolitik der Landesregierung von CDU und Grünen eine zentrale Rolle spielt. Die CDU-geführte Landesregierung betont dabei den wirtschaftlichen Nutzen: KI-Kompetenz im Mittelstand sichere Arbeitsplätze und stärke die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts NRW.
Was die konkrete Fördersumme betrifft, machte das Ministerium in seiner Pressemitteilung keine detaillierten Angaben. Das ist ein Punkt, den man kritisch anmerken darf: Transparenz über Fördervolumen und Laufzeiten wäre gerade bei öffentlich kommunizierten Vorhaben wünschenswert, damit Bürgerinnen und Bürger sowie betroffene Unternehmen den tatsächlichen Umfang des Engagements einschätzen können.

Mittelstand und KI: Eine Beziehung mit Nachholbedarf

Dass gerade der Mittelstand beim Thema Künstliche Intelligenz hinterherhinkt, ist kein NRW-spezifisches Problem – aber eines, das hier besonders spürbar ist. Einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom zufolge nutzt nur eine Minderheit kleiner und mittlerer Unternehmen in Deutschland KI-Anwendungen produktiv. Die Gründe sind vielfältig: fehlende Fachkräfte, unklare Datenschutzlage, hohe Einstiegskosten und schlicht Unsicherheit darüber, welche Anwendungen überhaupt sinnvoll sind.
Projekte wie SALAMI setzen genau an diesen Hürden an. Die Hochschule als vertrauenswürdiger, regional bekannter Partner kann Berührungsängste abbauen, die ein anonymer Cloud-Anbieter aus dem Silicon Valley nicht überwinden würde. Ob das Modell aufgeht, wird sich in der Praxis zeigen – und daran, wie viele Unternehmen am Niederrhein nach Ende der Förderphase tatsächlich mit KI-Anwendungen arbeiten. Das wäre der eigentliche Lackmustest für ein Projekt, das trotz seines heiteren Namens hohe Erwartungen trägt.