10.000 Beratungen, eine klare Entscheidung: NRW verlängert den Digitalcoach
Das Projekt Digitalcoach NRW hat über 10.000 Händler beraten – jetzt läuft die Förderung bis 2028 weiter.
Mehr als 10.000 Beratungsgespräche, eine eindeutige Bilanz: Das Projekt Digitalcoach NRW von Wirtschaftsministerium und Handelsverband NRW hat sich bewährt. Die Landesregierung verlängert die Förderung deshalb bis Ende 2028 – ein klares Signal an den stationären Einzelhandel im Land.
Was steckt hinter dem Digitalcoach?
Wer in einer nordrhein-westfälischen Innenstadt einen Schuhhandel, ein Modegeschäft oder eine Buchhandlung betreibt, kennt den Druck: Online-Giganten wie Amazon oder Zalando machen dem stationären Handel seit Jahren das Leben schwer. Doch viele Inhaberinnen und Inhaber kleiner und mittelständischer Geschäfte wissen schlicht nicht, wo sie bei der Digitalisierung anfangen sollen. Genau hier setzt der Digitalcoach NRW an – ein Beratungsprogramm, das Einzelhändlerinnen und Einzelhändler im Land seit einigen Jahren kostenlos und niedrigschwellig durch den digitalen Wandel begleitet.
Das Programm läuft als Gemeinschaftsprojekt des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums und des Handelsverbandes NRW. Speziell geschulte Coaches besuchen die Betriebe, analysieren deren digitale Aufstellung und entwickeln gemeinsam mit den Inhabern konkrete Maßnahmen – vom professionellen Online-Auftritt über Social-Media-Strategien bis hin zu modernen Kassensystemen und Click-and-Collect-Lösungen.
10.000 Gespräche – und was sie bedeuten
Die Zahl klingt zunächst abstrakt, ist aber bemerkenswert: Mehr als 10.000 Beratungsgespräche wurden im Rahmen des Projekts geführt. Das entspricht einer fünfstelligen Zahl an Kontaktpunkten mit dem Einzelhandel in Nordrhein-Westfalen – einem Bundesland, in dem der Handel traditionell eine tragende Rolle für die Beschäftigung und die Vitalität der Innenstädte spielt. Gerade in Zeiten, in denen Leerstände in Fußgängerzonen vieler Städte – von Duisburg über Dortmund bis Detmold – zum Stadtbild gehören, ist das keine Kleinigkeit.
Wirtschaftsministerin Mona Neubaur hatte das Projekt bereits in der Vergangenheit als einen der praxisnähsten Hebel der Landesförderung bezeichnet. Die Verlängerung bis Ende 2028 ist nun ein klares Bekenntnis: Die Landesregierung sieht im Digitalcoach ein funktionierendes Instrument – und will dessen Wirkung weiter entfalten.
Wer profitiert – und wie?
Im Mittelpunkt stehen kleine und mittelständische Handelsbetriebe, die oft weder die Zeit noch das Budget haben, externe Digitalagenturen zu beauftragen. Der Digitalcoach schließt genau diese Lücke. Die Beratung ist für die Betriebe kostenlos, die Coaches kommen direkt in die Läden – ein Ansatz, der Schwellenangst abbaut und Vertrauen schafft.
Besonders profitiert haben nach Angaben des Handelsverbandes NRW vor allem Betriebe aus dem Modehandel, dem Lebensmitteleinzelhandel sowie dem Bereich Wohnen und Einrichten. Viele von ihnen haben erstmals eine professionelle Präsenz in sozialen Netzwerken aufgebaut oder ihren Online-Shop grundlegend überarbeitet. Für einige Händlerinnen und Händler war die Beratung schlicht ein Überlebenswerkzeug in der Pandemie-Nachwirkungszeit.
Einordnung: Sinnvoll, aber kein Allheilmittel
Die Verlängerung des Programms ist nachvollziehbar und sinnvoll – wer würde ein funktionierendes Instrument einfach abschaffen? Dennoch lohnt ein nüchterner Blick: 10.000 Beratungsgespräche klingen nach viel, verteilen sich aber auf ein Flächenland mit rund 18 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern und Zehntausenden von Einzelhandelsbetrieben. Der Digitalcoach ist ein wichtiger Baustein, aber kein strukturelles Gegenmittel gegen die fundamentalen Verwerfungen im Handel.
Denn die eigentlichen Herausforderungen – hohe Mieten in Innenstadtlagen, veränderte Konsumgewohnheiten, der Wegzug von Laufkundschaft in Randlagen und Shoppingcenter – lassen sich durch Beratungsgespräche allein nicht lösen. Was der Digitalcoach leisten kann: Er gibt Händlerinnen und Händlern Werkzeuge an die Hand, um im digitalen Wettbewerb mitzuspielen. Ob sie damit langfristig bestehen, hängt von weitaus mehr ab als von einem gut gepflegten Instagram-Profil.
Gleichwohl: Die Landesregierung investiert hier an einer richtigen Stelle. Wer den stationären Handel erhalten will – und das ist erklärtes Ziel der NRW-Wirtschaftspolitik – muss ihn befähigen, mit der digitalen Gegenwart Schritt zu halten. Der Digitalcoach ist dabei ein pragmatisches, handfestes Angebot, das offenbar angenommen wird. Das ist in der oft abstrakten Welt der Wirtschaftsförderung keine Selbstverständlichkeit.
Hintergrund
Der Digitalcoach NRW ist ein gemeinsames Projekt des NRW-Wirtschaftsministeriums und des Handelsverbandes NRW. Ziel ist es, kleine und mittelständische Einzelhandelsbetriebe im Land kostenlos bei der digitalen Transformation zu begleiten. Die Förderung läuft nun bis Ende 2028. NRW ist mit rund 18 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern das bevölkerungsreichste Bundesland und hat eine der dichtesten Einzelhandelslandschaften Deutschlands. Die Digitalisierung des stationären Handels gilt als Schlüsselfaktor für die Zukunft der Innenstädte.